Hauptstadtleben in Tirana

Nächster Halt, Tirana! Dort angekommen wurden wir an einer großen Hauptverkehrsstraße herausgelassen. Nach kurzer Orientierungsphase liefen wir ca. eine Viertelstunde zur Unterkunft „Dionis“. Diese befand sich – wie erwartet – in Mitten eines Einkaufzentrums. Im Zimmer bekamen wir davon jedoch nichts mit. Zimmer und Bad waren geräumig und gut ausgestattet; absolute Pluspunkte: Klima, Kühlschrank und Rollo! Während unser Bad direkt mit dem Zimmer verbunden war, befand sich das Bad des zweiten angebotenen Zimmers auf der anderen Seite des Flures. Da niemand sonst in den Flur kommen kann, wäre dies aber auch nicht tragisch gewesen. Der Kontakt mit dem Host war freundlich und unkompliziert. Auch dieser hätte wieder gerne Euros als Bezahlung genommen. Gleiches konnten wir schon an den Souvernirshops in Kruja beobachten… Wofür haben wir eigentlich Lek abgeholt? 🤔

 

Unseren ersten Tag hatten wir fürs Sightseeing reserviert. Mit dem schnell erreichten Skanderbeg Square starteten wir. Der kürzlich neu eröffnete Platz erscheint zunächst nicht wirklich spektakulär. Allerdings sprudeln überall auf dem Platz kleine Wasserquellen, die den schräg verlaufenden Platz leicht mit Wasser benetzen. Ob dies auch eine Bedeutung hat, konnten wir noch nicht herausfinden.

Plitsch, platsch!

An der Skanderbeg Statue waren Gerüste aufgebaut, an denen Boxen hingen, aus denen auch schon Musik erklang. Wieso erfuhren wir später. Der Platz ist umringt vom National History Museum und einer 1932 erbauten Mosche (Et’hem Bey Mosque).


Von hier aus liefen wir zum Gemüse- und Obstmarkt (beim Kreisverkehr ‚Sheshi Avni Rustemi‘). Vor allem (Pfeifen-)Tabak scheint hier sein beliebt zu sein.

Anschließend ging es zu Bunk’Art 2 (Eintritt 500 Lek; ca. 3,80 €). Diese für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht Anlage ist eine von 175.000 Bunkern in Albanien. Wer viel über die Geschichte der Polizei und des Militärs erfahren will, ist hier genau richtig. Für mich persönlich war es neu, dass Albanien durch die italienische Besatzung im zweiten Weltkrieg noch heute sehr geprägt scheint. Dies zeigt sich auch anhand der vielen Pizzerien im Lande. Wir entpuppten uns im Bunk’Art schnell als Kulturbanausen und langweilten uns irgendwann. Wir hatten auch eher erwartet, einen Einblick in das Leben ohne Tageslicht zu erhalten. Stattdessen hätten die meisten Ausstellungsräume auch gewöhnliche Keller sein können. Gegen Ende gab es jedoch auch noch spannende Informationen und Geschichten über die Folter-, Abhör und Manipulationsmethoden während der Diktatur. Teilweise schwer zu verdauender Stoff, wozu Menschen in der Lage sind… Lohnt sich ein Besuch? Unser Fazit: Bei dem Preis kann man es mal mitnehmen.

      

Nächstes Ziel war der Mutter Theresa Platz. Auf dem Weg lag zunächst die 1988 erbaute Pyramide, die als Museum für den albanischen Diktator Enver Hoxha fungieren sollte. Heute wirkt sie ziemlich heruntergekommen. Die Friedensglocke im Vordergrund wurde aus tausenden Kugeln geschmiedet, mit denen 1997 etliche Menschen erschossen wurden.

Weitere Spots:

Ein Stück Berliner Mauer; diesmal nicht abgewaschen wie in Sofia

Presidential Palace Albanien

Mutter Theresa Platz

ehemaliger Bunkereingang

Aussicht vom Sky Tower Albanien:

Für das Abendessen folgten wir dem Tipp einer Freundin von Jorina und wurden nicht enttäuscht. Im „Tek Zgara Tirones“ schlugen wir uns für nur wenige Lek die Mägen mit diversen albanischen Speisen voll. Obwohl wir schon in Kruja von den Preisen begeistert waren,   bekommt man in Tirana nochmal mehr fürs Geld. Für unter 10 Euro (insgesamt!) sind wir pappsatt geworden und hatten jeder zwei große Biere (schätzungsweise 0,4 l) zum herunterspülen. Trinkgeld scheint in Albanien dennoch nicht üblich zu sein. Der Kellner schien geradezu überfordert damit zu sein. Die Rechnung bekamen wir übrigens unaufgefordert, was wir als freundlichen Hinweis zu gehen verstanden, da sich das Restaurant um halb neun innerhalb kürzester Zeit komplett füllte (Ramadan?).

Verrückterweise entdeckten wir ein paar Meter weiter einen „Deutsche Market“, der Produkte von Lidl, Aldi und insbesondere DM führte. Allerdings nicht zu den gewohnten Preisen.

Auf dem Rückweg zur Unterkunft nahmen wir erhöhte Aktivitäten auf dem Skanderbeg Square wahr, sodass wir einen Blick riskierten. Lichtershow und klassische Musik sorgten bei den Besuchern für gute Stimmung.

Am nächsten Tag ging es nach dem obligatorischen Byrekfrühstück (aktueller Tiefstpreis 60 Lek für 4!) ging es zur Busstation neben dem Skanderbeg Square. Mit dem blauen Bus nach Porcelan fuhren wir für 40 Lek (also 0,30 €) p.P. zur Gondel, die uns in die Berge bringen sollte. Kassiert wird im Bus, der Preis ist pauschal, egal wie weit man fährt.

Die von einer renommierten österreichischen Firma erbaute Gondelanlage (Dajti Ekspres) liegt an der Endstation und ist danach super zu Fuß erreichbar. Für 800 Lek oder alternativ 6 € kommst du auf den Berg und wieder zurück. Ob man hier auch Ski fahren kann? Zumindest hat die Gondel die entsprechenden Halterungen.

Oben angekommen, fällt einem als erstes das auffällig gestaltete, recht noble Hotel ins Auge. Wer hungrig hochfährt, kann hier oder in nahe gelegenen Restaurants mit tollem Blick auf Tirana etwas speisen.

Auf dem weiteren Weg staunten wir jedoch nicht schlecht als wir die eher traurig anmutenden Angebote fürs Ponyreiten oder Dosenschießen erblickten. Passte irgendwie so gar nicht zum ersten Eindruck. Auch die Hinweisschilder waren nicht wirklich aussagekräftig oder annähernd hilfreich, sodass wir uns einfach mal auf gut Glück auf den Weg machten.

 

Betrachtet man die weitere Beschilderung, hätten wohl noch eine paar weitere Lek für das Know How der Österreicher zur Gestaltung der Wanderwege investiert werden sollen.

Ohne ordentliche Hinweise mussten halt die alten Pfadfinderskills ausgepackt werden…

Statt des erwarteten Cafés (Qafa heißt wohl etwas anderes… ), fanden wir am Ziel allerdings nur neue Schilder.

Ohne etwas ‚erreicht‘ zu haben, wollten wir jedoch nicht den Rückweg antreten. Also ab nach links…Auf halbem Weg hatten konnten wir bereits den wunderschönen Ausblick erahnen… nicht!

Endstation Antennenanlage, höchster Punkt des Berges… ooookay! Die weiß umrandeten rote Punkte schienen wohl das Ziel zu markieren.

Kommando zurück, diesmal den alternativen Wanderweg… Plötzlich jedoch kryptische Hinweisschilder:

Heißt wohl so viel wie: „Stop! Nicht weitergehen“ – wie wir erst später erfuhren

Militärzone

Aber was tun? Einen anderen Weg gab es nicht und nochmal hoch wollte auch niemand. Also weiter… Und dann Soldaten, die uns freundlich baten, das Areal zu verlassen. Scheinbar waren wir schnurstracks in ein Militärgebiet gewandert. Daher evtl. auch die Bunker und Baracken… Ein zweiter Soldat zeigte uns nochmal den weg heraus und öffnete sogar die Schranke für uns, nachdem wir uns gerade unten drunter durchwuseln wollten. Wer bitte hat diese Wanderrouten entworfen?

Da oben waren wir eben noch…

Nach der Aufregung erstmal einen kleinen Snack

 

Das verlassene Restaurant hätte sicherlich Potential

Wenigstens waren wir nicht ganz alleine

Rückweg nach Tirana mit der Dajti Gondel

Wieder im Tal angekommen, setzten wir uns in ein kleines Bistro am Straßenrand. Bei Preisen von 50 Lek für ein 0,25 l Bier und 100 Lek für eines der traditionellen Gerichte in der kleinen Tonschale fiel die Entscheidung auch nicht schwer. Das von der Bedienung kein Englisch gesprochen wurde, war dank meiner gewieften Italienischkenntnisse natürlich kein Problem. Zur Not auch via Zeichensprache – zumindest beim „Raki“ bestellen – kein Problem… Auch wenn am Ende ein doppelter Tequila dabei herum kam (50 Lek). Inzwischen erwarteten wir auch vor dem Essen, dass der Tisch vorm Essen mit einer Papierserviette bedeckt wird. Das Besteck war – wie immer – in Servietten eingewickelt und das Essen kam – auch wie immer – sehr fix. Die anderen Gästen vertrieben sich die Zeit derweil mit Domino spielen, was Volkssport zu sein scheint. Als am Ende wieder unaufgefordert die Rechnung kam, ohne dass dieses Mal Platzdruck herrschte, mussten wir unsere Annahme vom Vorabend revidieren. Es scheint wohl normal zu sein.

Hat jemals etwas von „Deutschcolor“ gehört? Scheint hier eine große Nummer zu sein!

Fast jedes Haus hat so einen Vogelkäfig… wieso?

Das Nachtleben findet zum Großteil auf der Rruga Pjeter Bogdani statt. Hier reihen sich zahlreiche Bars und Pubs aneinander, sodass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte.

Tirana hat sich in unserem Eindruck noch nicht wirklich auf den Tourismus eingestellt. Wirkliche Konzepte, um den ÖPNV für Auswärtige greifbar zu machen, fehlten und auch an den vermeintlichen Hotspots vermisst man ein wenig das Angebot. Allein, dass die Tourist Information am Wochenende geschlossen ist, sagt einiges aus.

Da die nächste Station auf unserer Route Berat sein sollte, durchstöberten wir das Kartenmaterial und Internet nach der Busstation. Mit mehreren möglichen Haltestellen im Gepäck peilten wir zunächst zu dem als Busstop nach Berat markierten Punkt auf der Citymap an. Da uns bei den Minibussen nur eine Fahrt mit Zwischenhalt in Lushnja für insgesamt 700 angeboten wurde (oder per Taxi: 50€), liefen wir zum vermeintlich anderen Busstop. Leider wurde die South Station zum Dogana Square (Terminal I) verlegt, sodass wir einen lokalen Bus (Tirana e Re) dorthin nahmen.  Gerade ausgestiegen, rief man uns bereits an der großen Eagle Statue aus dem fahrenden Bus „Berat?“ entgegen, sodass wir Mitten auf der Straße schnell hereinhüpfen konnten. Für 400 Lek ging es also Richtung Berat.

Cheers & Cheese ✌

Timo

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2 Antworten zu “Hauptstadtleben in Tirana

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